Katholische Kindertageseinrichtungen Hochsauerland-Waldeck gGmbh
Kath. Kindertageseinrichtung Heilig Kreuz Soest
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Partizipation und Beschwerde

Partizipation bezeichnet grundsätzlich verschiedene Formen von Beteiligung, Teilhabe bzw. Mitbestimmung.

Kinder auf künftige Lebenssituationen in unserer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten heißt auch, dass sie auf ihre Rechte hingewiesen werden, ihnen die Teilhabe an Entscheidungsprozessen ermöglicht werden.

Partizipation in unserer Kindertageseinrichtung ist die ernst gemeinte, altersgemäße Beteiligung der Kinder am Einrichtungsleben im Rahmen ihrer Erziehung und Bildung. Grundvoraussetzung für eine gelingende Partizipation ist eine positive Grundhaltung der Erzieher/innen. Die Kinder werden als Gesprächspartner wahr- und ernst genommen, ohne dass die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern verwischt werden. Die Fachkräfte müssen den Kindern die Möglichkeit einräumen, frühzeitig ihre eigenen Rechte und Interessen wahrzunehmen und zu vertreten, sich ihrem Alter, ihrem Entwicklungsstand und ihren Bedürfnissen entsprechend aktiv in ihrem unmittelbaren Lebensbereich einzubringen, mit anderen Kindern und Erwachsenen in Kommunikationsprozesse zu treten und so gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Hierfür benötigen Kinder Freiräume zum selbstständigen Gestalten, vielfältige Gelegenheiten, ihre Interessen, Sichtweisen und Bedürfnisse auszudrücken und einzubringen, aber auch Anregung, Ermutigung und Begleitung durch Erwachsene, die sie in ihren individuellen Wünschen und Vorstellungen ernst nehmen und sie alters- und entwicklungsgerecht an Entscheidungsprozessen beteiligen.

In allen drei Stammgruppen wurden gemeinsam mit den Kindern Gruppen- und Wohlfühlregeln erarbeitet, alters- und entwicklungsgerecht, klar verständlich und einfach gehalten. Sie wurden gestalterisch visualisiert und werden in regelmäßigen Abständen wiederholt und weiterbearbeitet.

In den morgendlichen Stuhlkreisen bekommen die Kinder Raum für ihre Belange, Interessen, Bedürfnisse, Wünsche und auch Missmut.

Sie werden an der Wochenplanung, der Planung zukünftiger Projekte und dem Tagesablauf beteiligt.

Sie haben ein Recht auf eigene Meinung, die die Erzieherinnen ernst nehmen und sich Zeit zur gemeinschaftlichen Besprechung nehmen. So erfahren die Kinder schon früh, demokratische Werte und Regeln. Durch das Mitspracherecht erfahren Kinder auch, sich als Persönlichkeit wahrzunehmen, aber auch als Teil einer Gemeinschaft.

Gerade in der Auseinandersetzung mit den eigenen Beschwerden und Anliegen ergeben sich für die Kinder Möglichkeiten, personale Kompetenzen wie Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Ebenso erwerben sie soziale Kompetenzen – in der Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Anderer. Es müssen Lösungen und Strategien entwickelt und Kompromisse ausgehandelt werden. Die Entwicklung dieser Kompetenzen sind Richtlinien unserer pädagogischen Arbeit und dienen der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.

Drei künftige Schulkinder führen, unterstützt von einer ehrenamtlichen Kindergartenmutter, die Kitazeitung „Der kleine Frechdachs“. Sie berichten über Themen, die die Kinder in der Kita zurzeit beschäftigen und fragen gezielt in den Gruppen danach. Die Kita-Redaktion trifft sich einmal wöchentlich an einem festgelegten Tag, immer zur selben Uhrzeit, und gibt allen Kindergartenkindern die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen bei ihnen zu melden. Zusätzlich gibt es einen Briefkasten (auf Kleinkindhöhe angebracht), damit Kinder, aber auch Eltern, die Gelegenheit geboten wird, auch zu anderen Zeiten sich an die Kita-Zeitung zu wenden.

Zur Konfliktbewältigung und Gewaltprävention sehen die Fachkräfte sich verpflichtet, den Kindern Hilfestellung zur Kommunikation und zur eigenen Findung von Konfliktlösungen zu geben. Sie verstehen das Kind als Teil der Gruppe. Um die Gruppe im Gleichgewicht zu halten, ist ein friedlicher und gewaltfreier, nicht bedrohender oder ängstigender Umgang miteinander notwendig.

In diesem Rahmen werden in unserer Kita auch altersangemessene Formen des Beschwerdemanagements gemeinsam mit den Beteiligten gefunden und durchgeführt.

Die Kinder sollen schon vom ersten Tag anlernen, dass sie für ihre Belange ohne falsche Scheu einstehen können und sollen. Die Fachkräfte stehen den Kindern jederzeit wert- und vorurteilsfrei zur Seite und unterstützen sie auch Beschwerden.

Die Beschwerde eines Kindes ist als Unzufriedenheitsäußerung zu verstehen, die sich abhängig vom Alter, Entwicklungsstand und der Persönlichkeit in verschiedener Weise über eine verbale Äußerung als auch nonverbal über Weinen, Wut, Traurigkeit, Aggressivität oder Zurückgezogenheit ausdrücken kann. Können sich die älteren Kindergartenkinder schon gut über Sprache mitteilen, muss die Beschwerde der Allerkleinsten von dem Pädagogen sensibel aus dem Verhalten des Kindes wahrgenommen werden. Achtsamkeit und eine dialogische Haltung der pädagogischen Fachkraft sind unbedingte Voraussetzungen für eine sensible Wahrnehmung der Bedürfnisse des Kindes.

Aufgabe des Umgangs mit jeder Beschwerde ist es, die Belange ernst zu nehmen, den Beschwerden nachzugehen, diese möglichst abzustellen und Lösungen zu finden, die alle mittragen können.

Wir verstehen Beschwerden als Gelegenheit zur Entwicklung und Verbesserung unserer Arbeit in unseren Einrichtungen. Darüber hinaus bieten sie ein Lernfeld und eine Chance, dass Recht der Kinder auf Beteiligung umzusetzen. Dies erfordert partizipatorische Rahmenbedingungen und eine Grundhaltung, die Beschwerden nicht als lästige Störung, sondern als Entwicklungschance begreift. Ziel unseres Beschwerdemanagements ist es, Zufriedenheit (wieder) herzustellen.

Unsere Beschwerdekultur als Mitarbeitende

  • Wir tragen die Verantwortung als Vorbilder in der Kita
  • Wir gehen wertschätzend und respektvoll miteinander um
  • Wir führen eine offene Kommunikation miteinander
  • Wir dürfen Fehler machen
  • Wir gehen sorgsam und respektvoll mit Beschwerden um
  • Wir nehmen Beschwerden sachlich an und nicht persönlich
  • Wir suchen gemeinsam nach verbindlichen Lösungen

 

Unser Beschwerdeverfahren für die Kinder

Wir regen die Kinder an, Beschwerden zu äußern

  • durch Schaffung eines sicheren Rahmens (eine verlässliche und auf Vertrauen aufgebaute Beziehung), in dem Beschwerden angstfrei geäußert werden können und mit Respekt und Wertschätzung angenommen und bearbeitet werden
  • indem sie im Alltag der Kita erleben, dass sie bei Unzufriedenheit auch über Ausdrucksformen wie Weinen, Zurückziehen und Aggressivität ernst- und wahrgenommen werden
  • indem Kinder ermutigt werden, eigene und Bedürfnisse anderer zu erkennen und sich für das Wohlergehen der Gemeinschaft einzusetzen
  • indem die Fachkräfte positive Vorbilder im Umgang mit Beschwerden sind und auch eigenes (Fehl-)Verhalten, eigene Bedürfnisse reflektieren und mit den Kindern thematisieren

 

In unserer Kindertageseinrichtung können die Kinder sich beschweren

  • wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen
  • in Konfliktsituationen
  • über unangemessene Verhaltensweisen der Pädagogen
  • über alle Belange, die ihren Alltag betreffen (Angebote, Essen, Regeln, etc.)

 

Die Kinder bringen ihre Beschwerden zum Ausdruck

  • durch konkrete Missfallensäußerungen
  • durch Gefühle, Mimik, Gestik und Laute
  • durch ihr Verhalten wie z.B. Verweigerung, Anpassung, Vermeidung, Regelverletzungen, Grenzüberschreitungen

 

Die Kinder können sich beschweren

  • bei ihren Erzieherinnen in der Gruppe
  • in der Gruppenzeit in ihrer Gruppe
  • bei ihren Freunden
  • bei ihren Eltern
  • bei der Einrichtungsleitung

 

Die Beschwerden der Kinder werden aufgenommen und dokumentiert

  • durch sensible Wahrnehmung und Beobachtung
  • durch den direkten Dialog der Erzieherin mit dem Kind/ den Kindern
  • in der Gruppenzeit durch die Visualisierung der Beschwerden oder Befragung
  • durch die Bearbeitung der Portfolioordner
  • mit Hilfe von Lerngeschichten
  • im Rahmen von Befragungen

 

Die Beschwerden der Kinder werden bearbeitet

  • mit dem Kind/ den Kindern im respektvollen Dialog auf Augenhöhe, um gemeinsam Antworten und Lösungen finden
  • im Dialog mit der Gruppe in der Gruppenzeit
  • in Teamgesprächen, bei Dienstbesprechungen
  • in Elterngesprächen/ auf Elternabenden/ bei Elternbeiratssitzungen mit der Einrichtungsleitung

 

Partizipation und Beschwerdemanagement wird (als Grundhaltung) ebenso in der Zusammenarbeit mit den Eltern und im Team umgesetzt.

Die pädagogischen Fachkräfte sehen Beteiligung und auch Beschwerde als Chance der Verbesserung im Kita-Alltag an. Hinter einer Beschwerde steckt ein Entwicklungspotenzial. Die Anliegen und Bedürfnisse, die die Kinder und Eltern äußern, führen zwangsläufig zu einer Reflexion der eigenen Strukturen, Abläufe und des eigenen Verhaltens. Beschwerden bewirken Veränderungen und ermöglichen Entwicklung und dienen damit der Qualität der Einrichtung.

Es besteht ein fachliches/professionelles Interesse im Team, Kinder und Eltern zu beteiligen und ihre Anliegen wahrzunehmen, zuzulassen und zu bearbeiten.

Neben fachlichen Anforderungen, wie beispielsweise Entwicklungsalter der Kinder, etc. ist der Blick auf die eigene Biographische Erfahrung von größter Bedeutung.

Das Team beschäftigt sich in regelmäßigen Teamfortbildungen mit eigenen Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Machtverhältnissen, Haltung, Gefühle, Prägungen etc. um den Prozess der Beteiligung offen und wertfrei entgegen zu stehen.

 

Den Mitarbeiterinnen ist bewusst, dass Partizipation umsetzbar ist, wenn

  • sie informieren und im Thema sind
  • sie sich professionell positionieren können
  • sie ihr Selbstpotenzial nutzen können
  • sie die Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildungen nutzen
  • sie Beteiligung und Beschwerderecht als Kriterium für pädagogische Qualität verstehen
  • sie eine entsprechend der Anforderungen notwendige positive Haltungen zu Beteiligung und Beschwerde von Kindern entwickeln und diese in ihrem Umfeld vertreten
  • sie den Wert von partizipatorischer Kooperation im gesamten Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtung erkennen
  • sie in der Lage sind, eigene Gefühle, Reaktionen und Aktionen im Handlungsfeld zu reflektieren und daraus Konsequenzen für ihr weiteres Vorgehen schließen
  • sie der Kultur der Fehlerfreundlichkeit durch Vorgesetzten, Träger und Eltern erleben
  • sie die Rahmenbedingungen haben, um im Team Regeln und Absprachen in Bezug auf Kinder, Eltern und Kooperationspartner immer wieder neu zu reflektieren und zu diskutieren und dann verbindliche Absprachen treffen
  • den Gruppenalltag zeitlich strukturieren müssen, damit zeitliche Ressourcen für eine entspannte Beteiligungssituation entstehen können
  • sie in der Lage sind, Situationen, Regeln und Entscheidungen aus dem pädagogischen Alltag im Sinne der partizipatorischen Möglichkeiten zu hinterfragen und zu verändern
  • sie Methoden der Dokumentation mit ihrem Team und der Leitung entwickeln.

Unabdingbar in der Kita-Arbeit ist die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiterinnen und Eltern. Wir verstehen Eltern als Experten ihrer Kinder und begegnen ihnen auch als solche. Uns ist es wichtig eine Erziehungspartnerschaft zu gestalten und zu fördern.

Daher möchten wir die Eltern in so viele Prozesse wie möglich einbeziehen und sie am Kita-Leben/Geschehen beteiligen.

 

Auch die Möglichkeit der Beschwerde soll Eltern bewusst sein. Sie sollen in unserer Kindertageseinrichtung erfahren:

  • dass sie ernst genommen und wertgeschätzt werden; bei jeglichem Anliegen
  • ihre individuelle Lebenswelt und -situation angenommen wird
  • dass sie Entscheidungsrechte bzgl. ihres Kindes haben
  • dass sie ein Recht auf Information und Beratung durch die Fachkräfte haben
  • dass sie Mitgestalter und Mitwirkende der Einrichtung sind
  • dass sie jederzeit ein Anhörungsrecht haben
  • dass sie in Gremien wie Elternbeirat/Rat der Kindertageseinrichtungen Mitbestimmungsrechte (Öffnungszeiten/Betreuungszeiten/Neuaufnahmen/pädagogische und räumliche Veränderungen etc.) haben
  • dass die Beteiligung der Eltern durch gesetzliche Grundlagen und klare Mitbestimmungsstrukturen (§ 9 KiBiz) geregelt ist

 

Unser Ziel ist es, den Eltern zu vermitteln, dass wir sie mit ihren Anliegen, Meinungen, Belangen und Bedürfnissen ernst nehmen und ihre Beteiligung erwünscht und willkommen ist.

Unsere Eltern haben die Möglichkeiten

  • ihr Anliegen bei den jeweiligen pädagogischen Fachkräften über Tür- und- Angel- Gespräche zu äußern
  • einen Gesprächstermin bei den jeweiligen Mitarbeiterinnen einzufordern
  • sich an die Einrichtungsleitung zu wenden
  • die Beschwerdebox (in den Räumlichkeiten der Kita angebracht) zu nutzen, die in regelmäßigen Abständen vom Elternrat geleert wird
  • sich an den Elternbeirat oder auch Rat der Kindertageseinrichtung zu wenden, wenn sie das Gefühl haben, nicht gehört zu werden
  • sich an den Träger zu wenden